Teuerung

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Wenn das Geld an Wert verliert: Preisänderungen unter der Lupe

Dieser Video-Themenblock thematisiert den Zusammenhang zwischen Teuerung und Kaufkraft.

  • Zwei Videos führen in die Thematik ein.
  • Die Lernenden vertiefen das Thema mittels Quiz und Arbeitsauftrag.
  • Ein Wissenstext liefert Hintergrundinformationen.
  • Der Video-Themenblock ist dank zwei unterschiedlich komplexen Arbeitsaufträgen für alle Schultypen geeignet.

Weitere Sprachen: Französisch
Unterrichtsvorbereitung: Easy to use
Unterrichtsdauer: 2-3 Lektionen
Aktualisiert: 01.10.2020

Lernziele

Die Lernenden sind in der Lage, ….

  1. … zu erklären, was Teuerung ist.
  2. … die Inflationsrate anhand der Veränderung des LIK zu berechnen.
  3. … die Gefahren einer Hyperinflation zu beschreiben.
  4. … die Veränderung der Kaufkraft anhand der Lohn- und Preisentwicklung einzuordnen.

Stichwörter

Teuerung, Inflation, Kaufkraft, Geld, Geldmenge, Deflation, Einkommen, Haushalt, LIK, Preisindex, Warenkorb

Letzte Änderungen

((Hier sind die Anpassungen in Folge einer Überarbeitung vermerkt))

Konzeption

iconomix

Fachberatung

Pascal Meichtry
M.A. HSG in Economics der Universität St. Gallen
Doktorand und Lehrassistent an der Universität Lausanne

Didaktische Beratung Arbeitsauftrag

Dr. Daniel Schmuki
Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung

Videos

Aufbereitet mit nanoo.tv, der führenden kollaborativen Online-Mediathek für Bildungsinstitutionen in der Schweiz.

Korrektorat

Rotstift AG, Bern

Die Videos bilden die Grundlage des Themenblocks.

Teuerung

Kurz und knapp erläutert das animierte Video die Inflation. Weiter zeigt es die Problematik und die Gefahren hoher und unberechenbarer Teuerung auf.

Quelle

Europäische Zentralbank. Preisstabilität: Warum ist sie für dich wichtig? (11.01.2011, Dauer: 01:51 Min.), aufbereitet mit nanoo.tv

Venezuela: Inflation und kein Ende

Ein dreiminütiger Beitrag von Arte zeigt, welche Folgen eine Hyperinflation für die venezolanische Bevölkerung hat.

Quelle

Arte. Venezuela: Inflation und kein Ende (30.08.2018, Dauer: 03:07 Min.), aufbereitet mit nanoo.tv

Der Inhalt der Videos ist hier zusammengefasst.

Teuerung

Kurz und knapp erläutert das animierte Video die Inflation. Weiter zeigt es die Problematik und die Gefahren hoher und unberechenbarer Teuerung auf.
Laufzeit: 01:51 Minuten

Plötzliche Preiserhöhung (00:00)
Die beiden Protagonisten landen auf einem mittelalterlichen Markt. Sie haben Hunger und beschliessen, einen der angebotenen Kuchen zu kaufen. Doch kaum haben sie die Auslage an Kuchen studiert, erhöht der Bäcker die Preise. Die Leute hätten mehr Geld zum Ausgeben, als es verfügbare Ware gäbe und dadurch stiege die Nachfrage, so die Begründung. Der Bäcker zählt die Ressourcen auf, die er zur Herstellung seiner Produkte benötigt – sie alle seien teurer geworden, daher auch der Preisanstieg der Kuchen.

Das Inflationsmonster (00:40)
Die Inflation tritt als Monster auf und beschenkt die Protagonisten mit Geld. Doch auch die erhöhte Menge an Geld reicht nicht aus: Der Bäcker hat die Preise schon wieder erhöht. Das Inflationsmonster wird zwar von den Protagonisten als solches entlarvt, dennoch wirft es mit noch mehr Bargeld um sich.
Wieso ist das schlecht? «Wenn zu viel Geld für gleich viele Produkte vorhanden ist, treibt das die Preise in die Höhe und das Geld verliert seinen Wert», so die Protagonistin.

Preise steigen, Erspartes verliert an Wert (01:20)
Eine ältere Dame tritt dazu und klagt ihr Leid: Der Fisch beispielsweise sei mittlerweile so teuer geworden, dass sie sich ihn kaum mehr leisten könne. Die Frau erwähnt, dass zwar die Preise konstant stiegen, ihre Rente aber gleichbliebe. Auch würden ihre Ersparnisse laufend an Wert verlieren. Bevor das Inflationsmonster erneut zuschlagen kann, fliehen die Protagonisten.

Venezuela: Inflation und kein Ende

Ein dreiminütiger Beitrag von Arte zeigt, welche Folgen eine Hyperinflation für die venezolanische Bevölkerung hat.
Laufzeit: 03:07 Minuten

Die Währung verliert an Wert (00:00)
In Maracaibo, der zweitgrössten Stadt Venezuelas, gehört stundenlanges Anstehen vor der Bank zum Alltag. Denn die Geldscheine werden knapp und die Banken geben nur beschränkt Bargeld heraus. Die Währung verliert täglich an Wert. Das Land befindet sich in einer sogenannten Hyperinflation. Zudem stehen die Regale in den Supermärkten leer, da die Importe zu teuer geworden sind.
Obwohl der Mindestlohn von der Regierung stetig erhöht wird, reicht das Geld nicht für alltägliche Ausgaben wie Wohnen, Kleidung und Essen. Ein älterer Mann klagt über die steigende Armut und den Hunger.

Ungewisse Zukunft (01:17)
Die Rentnerin Alba Romero lebt in Agua de Dios, einem der ärmsten Viertel der Stadt. Aufgrund der genannten Missstände war die ältere Frau gezwungen, ihr Haus aufzugeben. Am meisten Sorgen macht sie sich aber um die Zukunft ihrer Enkel.

Exodus (02:08)
Die Wirtschaftskrise treibt die Menschen massenhaft ins Exil, beispielsweise nach Kolumbien oder Ecuador. Laut Schätzungen der UNO haben seit Beginn der Krise im Jahre 2015 bereits eine Million Menschen ihr Heimatland verlassen (Stand 2018).

Das Quiz beinhaltet sechs Fragen zum Thema Teuerung.

Der Arbeitsauftrag bietet die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema.

Dokumente

Der Wissenstext bietet fachlich fundierte Hintergrundinformationen zum Thema.

Inflation bekämpfen – Konsequenzen hinnehmen

Die Gewährleistung der Preisstabilität gehört zu den elementaren Aufgaben einer Notenbank. Doch gerade die Bekämpfung einer übermässig hohen Inflation kann massive Kosten verursachen. Die Situation der Schweiz in den 1990er-Jahren liefert ein anschauliches Beispiel.

Stabile Preise sind eine wesentliche Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Doch der Marktwert für Waren und Dienstleistungen kann sich jederzeit ändern. Steigen oder fallen die Preise einzelner Produkte, hat dies nur geringe gesamtwirtschaftliche Auswirkungen. Erhöhen sich aber die Güterpreise auf breiter Front, verliert das Geld an Wert. Man spricht in diesem Fall von Inflation oder auch Teuerung.

Etablierung eines stabilen Preisniveaus

Durch einen dauerhaften Anstieg des allgemeinen Preisniveaus verringert sich die Kaufkraft des Geldes. Für gleich viel Geld kann man sich plötzlich weniger kaufen. Dieser Fall tritt insbesondere dann auf, wenn die Geldmenge schneller wächst als die gesamtwirtschaftliche Gütermenge. Dann übersteigt nämlich die Nachfrage nach Gütern das Güterangebot, was zu allgemein steigenden Preisen führt und die Teuerung anheizt.

Um die Kaufkraft des Geldes zu erhalten, verfolgt jede Notenbank das Ziel, die Preise ihres Landes möglichst stabil zu halten. Eine allzu hohe Inflation lässt sich dabei durch eine restriktive Geldpolitik bekämpfen. Vereinfacht gesagt, erhöht die Zentralbank ihren Leitzins und verringert so die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet. Bei gleichbleibender Gütermenge steigt dadurch der Wert des Geldes und die Teuerung sinkt.

Allerdings kann ein Leitzins, der über längere Zeit angehoben wird, die Konjunktur eines Landes massiv ausbremsen. Ein historisches Beispiel aus der Schweiz soll dies veranschaulichen.

Lockere Geldpolitik der 1980er-Jahre

Im Oktober 1987 kommt es am US-amerikanischen Aktienmarkt zum grössten Börsencrash der Nachkriegszeit. Da auch die Schweiz von diesem «Schwarzen Montag» betroffen ist, flutet die Schweizerische Nationalbank (SNB) in der Folge die Märkte mit Geld, um einem Einbruch der Realwirtschaft entgegenzuwirken. Sie senkt ihren damaligen Leitzins, den Diskontsatz, binnen eines Jahres von 4% auf 2,5%, und stimuliert damit das Wirtschaftswachstum.

Die expansive Geldpolitik der Zentralbank wird begleitet von einem verstärkten Interesse am Immobilienmarkt. Zum einen sind Investoren nach dem Börseneinbruch auf der Suche nach alternativen Investitionsmöglichkeiten. Zum andern stimulieren die tiefen Zinsen zusammen mit steigenden Einkommen die Nachfrage nach Wohn- und Geschäftsliegenschaften. Die Banken lockern daraufhin ihre Kreditvergabepolitik und stellen die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung.

Hochkonjunktur und bremsende Zinserhöhung

Die beschriebenen Umstände führen ab 1987 zu einem regelrechten Boom der Schweizer Wirtschaft.

Abbildung 1: Rezession (graue Fläche) zwischen Ende 1990 und Anfang 1993

Das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (kurz BIP) beschleunigt sich Anfang der 1990er-Jahre bis auf 5,7%. Eine ungemütliche Begleiterscheinung: Die Inflation zieht in diesen Jahren ebenfalls an und läuft zunehmend aus dem Ruder. Deshalb beginnt die SNB ab 1988, schrittweise die Zinsen anzuheben. Mit dem Ziel, die Preisstabilität wiederherzustellen, verdoppelt sie den Diskontsatz innerhalb von drei Jahren auf rekordhohe 7%.

Die drastische Reaktion der Notenbank scheint zu wirken: Das verknappte Geldangebot lässt die Inflation bis Mitte der 1990er-Jahre auf unter 1% sinken. Allerdings gibt es erneut eine unangenehme Kehrseite. Die anhaltend hohen Zinsen bremsen die Konjunktur aus, das Wirtschaftswachstum bricht ein. Die Schweiz gleitet in eine Rezession, die rund 2½ Jahre andauern wird.

Immobilienkrise

Die Rezession wird durch eine Immobilienkrise Anfang der 1990er-Jahre zusätzlich verstärkt. Angetrieben von der Niedrigzinspolitik der Zentralbank, der lockeren Kreditvergabe der Banken sowie Spekulationen im Häusermarkt, hat sich bis Ende der 1980er-Jahre eine Immobilienpreisblase gebildet, die schliesslich platzt. Neben fiskalpolitischen Massnahmen leiten insbesondere die Zinserhöhungen der SNB diesen Preiszerfall ein.

Da Immobilien einen beträchtlichen Teil ihrer Kreditportfolios ausmachen, sehen sich viele Banken aufgrund der fallenden Marktpreise veranlasst, die Bedingungen zur Kreditvergabe zu verschärfen. Darunter leidet vor allem die grossenteils über Bankkredite finanzierte Baubranche. Aufgrund rückläufiger Bautätigkeit und plötzlich fehlendem Kapital kommt es dort zu Überkapazitäten und einer Welle von Insolvenzverfahren.

Angeschlagene Volkswirtschaft im Abschwung

Abbildung 2: Einbruch von Investitionen und Konsum

Die Bekämpfung der Inflation durch die Nationalbank verursacht überdies eine Reihe volkswirtschaftlicher Kosten, die typischerweise mit einer Rezession daherkommen.

Abbildung 3: Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt

Investitionen sinken: Die restriktivere Kreditvergabepolitik der Banken und das höhere Zinsniveau machen die Geldaufnahme für Firmen teurer. Als der Diskontsatz 1991 seinen Spitzenwert erreicht, erlebt das Wachstum der Bruttoinvestitionen einen massiven Einbruch von -8,6% (gegenüber +12,7% im Vorjahr).

Konsum wird gedrosselt: Die fallenden Immobilienpreise führen zu grossen Wertverlusten für viele Liegenschaftsbesitzer, wodurch ihr Vermögen negativ beeinflusst wird. Ebenso leiden sie unter den erhöhten Hypothekarzinsen, da sie neben der Tilgung ihrer Kreditschulden weniger Einkommen zur Verfügung haben. Beides verlangsamt das Konsumwachstum der Haushalte für mehrere Jahre.

Arbeitslosigkeit steigt: 1994 steigt die Arbeitslosigkeit auf fast 5% – bis dato ein historischer Höchstwert. Hauptfaktor neben der zurückhaltenden Konsum- und Investitionstätigkeit ist eine schwächelnde Weltkonjunktur. Entsprechend ist das Exportvolumen tiefer, von dem die Schweiz aufgrund ihrer hohen Aussenorientierung abhängig ist.

Zusammenfassend gesagt, wirkt sich die restriktive Geldpolitik der Nationalbank negativ auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im realen BIP wider, welches erst ab Mitte 1993 erneut zu steigen beginnt.

Die Frage nach der richtigen Strategie

Rückblickend zeigt sich, dass die rasch anziehende Teuerung ab 1989 hauptsächlich gebremst wurde, indem die SNB ihr geldpolitisches Hauptinstrument, den Diskontsatz, über längere Zeit massiv anhob. Allerdings brachte ihr dies vor dem Hintergrund der anhaltenden Rezession auch die Kritik ein, dadurch die schwächelnde Wirtschaft zu lähmen. Dieses Handeln war dennoch notwendig, um die Preisstabilität und damit die Glaubwürdigkeit der Zentralbank wiederherzustellen. Dieser Grundgedanke der Inflationsbekämpfung gilt bis heute.

Quellen

Links zum Thema

Ressourcen für den Einstieg in den Unterricht oder zur Vertiefung sind hier vermerkt.

Für den Unterrichtseinstieg

Mehr zum Thema

Hier sind verschiedene Unterrichtsszenarien skizziert.

Didaktische Hinweise

Dieser Video-Themenblock ist für den Einsatz im Unterricht konzipiert und lässt sich leicht in eine bestehende Unterrichtssequenz einbauen. Er eignet sich gut als Einstieg in die Thematik der Teuerung.

Unterrichtsvorbereitung
Hilfreich ist es, sich bei der Unterrichtsvorbereitung zuerst über die folgenden drei Fragen Klarheit zu verschaffen:

Unterrichtsszenarien
Daraus ergibt sich das jeweils passende Unterrichtsszenario. Hier sind vier gängige Szenarien dargestellt (zur Vereinfachung ohne die Unterscheidung, was im und was ausserhalb des Unterrichts geschieht):