Corona-Krise

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Die Videos bilden die Grundlage des Themenblocks.

Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage»

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat der Bundesrat mehrere gesundheitspolitische Massnahmen beschlossen. Im Beitrag von SRF Tagesschau vom 16. März werden diese in drei Minuten vorgestellt.

Quelle

SRF Tagesschau. Der Bundesrat erklärt «ausserordentliche Lage» (16.03.2020, Dauer: 03:05 Min.), aufbereitet mit nanoo.tv

Notkredite für Firmen

Um die Wirtschaft zu unterstützen, hat der Bundesrat ein Hilfspaket geschnürt. Neben der Möglichkeit auf Kurzarbeitsentschädigungen bürgt er für Notkredite. Der Videobeitrag von SRF Tagesschau vom 25.03.2020 fasst diese Massnahmen in sieben Minuten zusammen.

Quelle

SRF Tagesschau. Coronavirus: Notkredite für Firmen (25.03.2020, Dauer: 07:09 Min.), aufbereitet mit nanoo.tv

Coronavirus: how to tackle the economic crisis

Financial Times economics commentator Martin Sandbu analyses the emergency fiscal and monetary measures being taken to deal with the global financial and economic fallout from Coronavirus.

Quelle

Financial Times. Coronavirus: how to tackle the economic crisis (25.03.2020, Dauer: 04:48 Min.), aufbereitet mit nanoo.tv

Der Inhalt der Videos ist hier zusammengefasst.

Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage»

Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat der Bundesrat die gesundheitspolitischen Massnahmen verschärft. Ab dem 17. März bis mindestens am 19. April 2020 bleiben bis auf Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen alle Geschäfte geschlossen.
Laufzeit: 03:05 Minuten

Einleitung (00:00)
Um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» beschlossen. Bis am 19. April 2020 bleiben alle Geschäfte ausser Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen geschlossen. Weiter wird die Armee mobilisiert.

Verschärfte Massnahmen (00:28)
Mit den neuen Massnahmen steht das öffentliche Leben in der Schweiz zu grossen Teilen still. Die meisten Läden sowie Unterhaltungsorte wie Kinos werden geschlossen. Nur Nahrungsmittelläden, Apotheken, Tankstellenshops und Poststellen bleiben offen.

Personelle Engpässe in Spitälern (01:34)
Die Spitäler erwarten personelle Engpässe. Einige Kantone haben daher die Armee um Hilfe gebeten. Das Truppenaufgebot umfasst neu bis zu 8000 Armeeangehörige. Eine derart grosse Mobilmachung hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben.

Grenzschliessungen (02:25)
Die Grenzen zu den Nachbarländern bleiben ebenfalls geschlossen. Einzig Grenzgänger, die aus beruflichen Gründen in die Schweiz ein- oder ausreisen müssen, dürfen die Grenze überqueren.

Notkredite für Firmen

Um die Wirtschaft zu unterstützen, hat der Bundesrat ein Hilfspaket geschnürt. Neben der Möglichkeit auf Kurzarbeitsentschädigungen bürgt er für Notkredite. Der Videobeitrag von SRF Tagesschau vom 25.03.2020 fasst diese Massnahmen in sieben Minuten zusammen.
Laufzeit: 07:09 Minuten

Einleitung (00:00)
Der Bundesrat hat beschlossen, die von der Coronakrise gebeutelte Wirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Er präsentiert nun die Details der Wirtschaftshilfen.

Notkredite (00:24)
Der Bund stellt 20 Milliarden Franken für Überbrückungskredite zur Verfügung. Unternehmen können zu günstigen Konditionen Kredite beantragen. Bis 500’000 Franken beträgt der Zins 0%, ab 500’000 Franken 0.5%. Der Bund übernimmt die Schulden, falls das Unternehmen den Kredit nach fünf Jahren nicht zurückzahlen kann. Bei Krediten über 500’000 Franken trägt die Bank 15% des Risikos.

Reaktionen (02:30)
Besonders stark betroffen sind die Gastrobranche, Gewerbe und Industrie. Sie sind sehr froh über die einfache Handhabung der Kredite, die den Unternehmen Luft verschaffen.

Missbrauchsbekämpfung (05:17)
Da die Kredite ohne Überprüfung gewährt werden, stellt sich die Frage nach dem Missbrauch. Wären Kontrollmechanismen eingebaut worden, könnten Kredite nicht so schnell und unkompliziert vergeben werden. Obwohl momentan keine Kontrollen stattfinden, gibt es die Möglichkeit, im Fall von missbräuchlichem Kreditbezug im Nachhinein Bussen auszustellen.

Kurzarbeit (06:23)
Neben Hilfen für Unternehmen gibt es auch die Unterstützung für die betroffenen Arbeitnehmer in Form von Kurzarbeit. Aufgrund der enormen Nachfrage (bereits 10% der Arbeitsbevölkerung) kommt es zu Verzögerungen bei der Bearbeitung und Auszahlung der Kurzarbeit.

Coronavirus: how to tackle the economic crisis

Financial Times economics commentator Martin Sandbu analyses the emergency fiscal and monetary measures being taken to deal with the global financial and economic fallout from Coronavirus.
Laufzeit: 04:48 Minuten

Einleitung (00:00)
Das Coronavirus und die gesundheitspolitischen Gegenmassnahmen haben gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die erwartete Rezession ist mindestens so gross, wie während der letzten Finanzkrise. Um die negativen Auswirkungen abzudämpfen, haben Regierungen und Zentralbanken gigantische Rettungspakete geschnürt.

Geldpolitik (01:48)
Zentralbanken haben hauptsächlich folgende drei Massnahmen im Kampf gegen die Krise getroffen. Zinssenkungen, um das Leihen von Geld günstiger zu gestalten. Finanzmarktinterventionen, um das Funktionieren der Märkte und deren Liquidität zu gewährleisten. Anleihenkäufe, um es Staaten und Unternehmen zu erleichtern, sich Geld zu leihen.

Fiskalpolitik (03:06)
Regierungen haben weltweit Rettungspakete geschnürt, viele davon in Rekordhöhe. Ziel ist es, Unternehmen vor dem Konkurs zu bewahren und Arbeitnehmer vor der Arbeitslosigkeit. Dabei kommen unterschiedliche Formen von Lohnsubventionen und Unterstützungen für die Unternehmen zum Einsatz. Die Staatsverschuldung steigt aufgrund der extrem hohen Ausgaben stark an.

Coronavirus: Auswirkungen auf die Wirtschaft

Testen Sie Ihr Wissen in unserem Quiz über das Coronavirus, dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die ergriffenen Gegenmassnahmen.

Der Arbeitsauftrag bietet die Möglichkeit zur vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema.

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Auswirkungen auf die Wirtschaft und Massnahmen zu deren Abfederung

Die Corona-Pandemie zwingt Regierungen zur Schliessung von Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetrieben, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Dies führt bei den betroffenen Unternehmen zu massiven Umsatzeinbrüchen und rasch zu Liquiditätsengpässen. Um eine Konkurswelle und Massenarbeitslosigkeit zu verhindern, schreiten die Staaten mit teils massiven Unterstützungspaketen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen ein.

SARS-CoV-2 – im Volksmund aktuell «Coronavirus» genannt – ist ein heimtückischer Virus. Nach der Ansteckung kann es bis zu 14 Tage dauern, bis erste Symptome auftreten. Weil man aber schon vorher ansteckend ist und zudem bei gewissen Infizierten gar keine Symptome auftreten, kann die Ausbreitung des Virus nicht verhindert werden, indem erkrankte Personen zu Hause bleiben.

Hinzu kommt, dass die durch das Coronavirus ausgelöste Erkrankung COVID-19 für Risikogruppen gefährlicher ist als die Grippe. Wissenschaftliche Schätzungen deuten vor allem bei älteren Menschen auf eine höhere Letalitätsrate im Vergleich zur Grippe hin, bei den über 80-Jährigen könnte sie über 10% betragen.1 Bisher gibt es weder wirksame Therapien noch eine Impfung. Einige der Erkrankten haben nur mit Intensivstation und Beatmungsgerät Überlebenschancen. Hier sind aber die Kapazitäten begrenzt.

Um zu verhindern, dass Patienten wegen Kapazitätsengpässen sterben, müssen die Ansteckungen mit dem Coronavirus minimiert oder mindestens verlangsamt werden.

«Flatten the Curve», also Abflachen der Kurve der Neuansteckungen, lautet die Losung. Dazu hat der Bundesrat einschneidende Massnahmen getroffen, die darauf abzielen, dass die Leute Abstand voneinander halten («Social Distancing»). Alle Läden, Restaurants, Bars, Kinos, Coiffeursalons, Kosmetikstudios sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe mussten schliessen. Ausgenommen waren unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen.

Zudem wurden Ansammlungen von mehr als fünf Personen verboten. Regierungen weltweit sahen sich zu ähnlichen Massnahmen gezwungen. Teilweise gehen diese sogar noch weiter, bis hin zu fast kompletten Ausgangssperren. Die Abbildung 1 zeigt schematisch das damit angestrebte Abflachen der Kurve, sodass das Gesundheitswesen zu keinem Zeitpunkt an die Kapazitätsgrenzen stösst.

Abbildung 1: Schematische Darstellung der Wirkung der Social-Distancing-Massnahmen

Wirtschaftliche Auswirkungen

Diese Einschränkungen des sozialen und wirtschaftlichen Lebens haben selbstredend erhebliche wirtschaftliche Folgen. Deren Ausmass hängt u.a. vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, der sich nicht präzise vorhersagen lässt.

Die Ökonomen des Bundes hatten Mitte März 2020 noch eine moderate Schrumpfung des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) um 1,5% prognostiziert. Schnell zeichnete sich aber ab, dass der Shutdown länger anhält als angenommen und dadurch auch die Auswirkungen auf die Realwirtschaft deutlich stärker sein dürften. Nachdem die März-Prognose durch zwei Negativszenarien ergänzt wurde, aktualisierten die Experten des Bundes am 23. April 2020 die Konjunkturprognose ausserplanmässig. Erwartet wurde nun ein Rückgang um 6,7%2

Abbildung 2: Wachstum des realen BIPs (sporteventbereinigt, gegenüber Vorquartal) gemäss Prognosen vom März 2020 und vom April 2020 (April-Prognose, Szenario 1 und Szenario 2).
Quelle: SECO, Expertengruppe Konjunkturprognosen.

Einen vergleichbaren Einbruch der Wirtschaftsleistung gab es letztmals 1975 im Zuge der ersten Ölpreiskrise. Die Finanzkrise 2008/2009 hinterliess deutlich mildere Spuren in den BIP-Zahlen.

Die Abbildung 2 zeigt das reale BIP-Wachstum gemäss den Prognosen von März und April 2020 sowie gemäss den zwei Negativszenarien.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Einbruch der Wertschöpfung sehr abrupt eintrat und die direkt von den Massnahmen betroffenen Branchen besonders hart trifft.

Für Restaurantbetriebe, Coiffeursalons oder Blumenverkäufer brach der Umsatz von einem Tag auf den anderen erheblich ein oder sogar vollständig weg. In einer solchen Situation droht für laufende Kosten wie Mieten und Löhne innert kurzer Zeit das Geld auszugehen, es drohen somit Liquiditätsengpässe und schliesslich die Zahlungsunfähigkeit.

Auch nicht direkt von Schliessungen betroffene Betriebe bekommen die Krise zu spüren, wenn auch in den meisten Fällen nicht unmittelbar die Zahlungsunfähigkeit droht. Sie leiden insbesondere an unterbrochenen Lieferketten und Nachfrageeinbrüchen (sei es aus dem Ausland oder von zwangsweise geschlossenen Betrieben).

Muss der Staat einschreiten?

Wirtschaftsprofessorinnen und –professoren von Schweizer Universitäten sowie der Konjunkturforschungsstelle der ETH haben sich mit Positionspapieren zu Wort gemeldet.3 Sie plädieren darin für eine rasche und entschlossene Intervention des Staates zur Unterstützung der betroffenen Unternehmen. Die Argumente dafür lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Die Corona-Krise ist ein Jahrhundertereignis, das unverschuldet über uns hereingebrochen ist. Gestützt auf den Versicherungsgedanken sei deshalb eine Sozialisierung der Kosten gerechtfertigt.

Eine Sozialisierung der Kosten lässt sich mit der Überlegung begründen, dass es gewissermassen einen übergeordneten «Social Contract» gibt, der bei einem solchen Jahrhundertereignis die Versicherungslösung vorsieht.

Damit wird implizit unterstellt, dass das Risiko einer durch eine Pandemie oder ein ähnliches Ereignis verursachten Unterbrechung der Geschäftstätigkeit nicht mit einer Risikoprämie abgegolten wird. Dem kann man entgegenhalten, dass Unternehmer grundsätzlich sämtliche Risiken tragen müssen und dafür auch eine entsprechende Risikoprämie einkalkulieren. Dies gilt auch für Unternehmerrisiken, die sich unverschuldet und unvorhergesehen manifestieren, zumal dies gewissermassen in ihrer Natur liegt. Letztlich mutet die Frage philosophisch an und kann hier nicht abschliessend geklärt werden.

2. Der abrupte Umsatzeinbruch kann zu einer Überschuldung der Firmen und sogar zu einer Reihe von Konkursen führen. Dies verursacht negative externe Effekte in Form einer (nachhaltigen) Schwächung der Konjunktur.

Hierbei handelt es sich – wie auch die Lausanner Ökonomen schreiben – um ein Lehrbuchbeispiel für eine Rechtfertigung effizienter staatlicher Intervention.

Grundsätzlich könnte man mit diesem Argument aber die Rettung jedes Unternehmens in Schieflage fordern. In normalen Zeiten besteht jedoch die Gefahr, dass dadurch der Strukturwandel aufgehalten und somit verhindert wird, dass Produktionsfaktoren einer produktiveren Nutzung zugeführt werden. In der Corona-Ausnahmesituation sticht dieses Argument nicht, weil die betroffenen Firmen losgelöst von Strukturwandel oder betriebswirtschaftlichen Entscheiden in Zahlungsschwierigkeiten sind.

Die Rettungsaktion ist dann volkswirtschaftlich am effizientesten, wenn sie möglichst gezielt auf diejenigen Unternehmen fokussiert, die wegen der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten sind. So können sowohl die negativen externen Effekte wie auch die Nebenwirkungen in Form von unerwünschter Strukturerhaltung minimiert werden.

Insgesamt gibt es aus Sicht der volkswirtschaftlichen Effizienz überzeugende Gründe, warum Regierungen im Zuge dieses ausserordentlichen Ereignisses nicht nur auf die Selbstheilungskräfte der Märkte vertrauen, sondern mittels geeigneter Interventionen den wirtschaftlichen Schaden eindämmen sollten.

Massnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen

Regierungen weltweit haben rasch reagiert und Massnahmenpakete von historischen Ausmassen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen geschnürt. Die Schweiz ist hier keine Ausnahme. Die gewichtigsten hierzulande beschlossenen Massnahmen sind:

> Ausweitung und Vereinfachung der Kurzarbeit

Kurzarbeit ist ein vor allem im deutschsprachigen Raum verwendetes Modell, um bei vorübergehenden Beschäftigungseinbrüchen Entlassungen zu verhindern. Dabei bleiben Angestellte in Abhängigkeit der Auftragslage vorübergehend der Arbeit fern oder arbeiten nur noch reduziert. Das Angestelltenverhältnis bleibt aber bestehen und die Kurzarbeitszeitentschädigung deckt weiterhin bis zu 80% des wegfallenden Lohns. In der Corona-Ausnahmesituation hat sie der Bundesrat u.a. auf temporär Angestellte und auf Lernende ausgeweitet. Zudem wurde die Bewilligungsdauer von Kurzarbeit von 3 auf 6 Monate verlängert und die Frist zur Voranmeldung für Kurzarbeit aufgehoben.

> Liquiditätshilfen für Unternehmen

Mit den Kurzarbeitsentschädigungen sind aber bei Weitem nicht alle laufenden Kosten der betroffenen Unternehmen gedeckt. Laut Schätzungen machen Kapitalkosten wie Mieten, Zinsen, Abschreibungen, Lager- und Unterhaltskosten 40% der Gesamtkosten von KMUs aus.4 Um zu verhindern, dass grundsätzlich solvente Unternehmen in Liquiditätsengpässe geraten, stellt der Bund Soforthilfe in Form von verbürgten COVID-Überbrückungskrediten zu Verfügung.

Betroffene Unternehmen sollen bei ihrer Hausbank rasch Liquidität in Form von Krediten erhalten, die bis zu 500 000 Franken vom Bund garantiert werden. Bei darüber hinausgehenden Beträgen garantiert der Bund 85%. Das Programm stösst auf rege Nachfrage, sodass der Bundesrat am 3. April 2020 nach einer Woche das Bürgschaftsvolumen von 20 auf 40 Milliarden Franken erhöhte. Wenn diese Obergrenze ausgeschöpft wird, entsprechen die Kreditgarantien rund 6% des Bruttoinlandprodukts. Damit die Banken diese Flut an Kreditanträgen bewältigen können, erteilte ihnen der Bundesrat eine Globalbewilligung für Sonn- und Feiertagsarbeit.

> Entschädigungen für Selbstständige und Angestellte

Selbstständig Erwerbende und Angestellte werden für Erwerbsausfälle entschädigt, die durch behördliche Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus verursacht wurden.

Dies betrifft bei den Selbstständigen namentlich jene, die ihren Betrieb vorübergehend schliessen müssen. Bei Angestellten ist eine Entschädigung vorgesehen, wenn Eltern ihre Erwerbstätigkeit wegen Schulschliessungen unterbrechen müssen. Auch Erwerbsausfälle wegen ärztlich verordneter Quarantäne werden entschädigt. Die Entschädigung beträgt 80% des Einkommens, maximal aber 196 Franken pro Tag. 

Als weitere Massnahmen sind Soforthilfen für den Kulturbereich und den Sport zu erwähnen, die neben Darlehen auch A-fonds-perdu-Beiträge vorsehen. Der Tourismus wird zudem mit Informations- und Beratungsaktivitäten unterstützt.

Einordnung des Massnahmenpakets

Das Schweizer Massnahmenpaket lässt vor allem das Ziel erkennen, mit Blick auf eine möglichst rasche wirtschaftliche Erholung nach überstandener Pandemie, bestehendes Beziehungskapital zu schützen.

Bei der Kurzarbeit steht das Beziehungskapital zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Fokus. Dieses besteht beispielsweise in über die Zeit aufgebautem betriebsspezifischem Know-how oder im Vertrauensverhältnis zwischen den Vertragspartnern. Im Weiteren kann Personalfluktuation mit erheblichen Suchkosten verbunden sein. Mit der Kurzarbeitsentschädigung sollen bestehende Arbeitsverhältnisse intakt gehalten und die Zerstörung dieses Kapitals verhindert werden. Die Entschädigungen für Selbstständige und Angestellte haben demgegenüber in erster Linie Hilfspaket-Charakter. Sie lassen das Ziel erkennen, persönliche Härtefälle möglichst zu vermeiden.

Mit den Liquiditätshilfen wird ebenfalls Beziehungskapital, namentlich zwischen Unternehmen und Stakeholdern wie Kunden oder Lieferanten, geschützt. Dabei geht es bspw. um gegenseitiges Vertrauen, bestehende Verträge mit Liefer- und Zahlungsmodalitäten oder um ganz banal erscheinende Dinge wie der Tatsache, dass Ihr Coiffeur weiss, wie Sie Ihre Haare gerne geschnitten haben.

Eine Konkurswelle würde nicht nur enorme Konkurskosten verursachen, sondern auch erhebliches Beziehungskapital zerstören.

Die Überbrückungskredite sind grundsätzlich rückzahlungspflichtig und damit auf das Abwenden einer Konkurswelle und die Verhinderung von Massenentlassungen ausgerichtet. Eine Sozialisierung der nicht gedeckten Kapitalkosten, wie sie die Ökonomen der Universitäten Zürich und Lausanne in den oben erwähnten Positionspapieren vorschlagen, findet damit nicht oder nur sehr begrenzt statt.

Massnahmen im internationalen Vergleich

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass viele europäische Länder eine ähnliche Strategie fahren wie die Schweiz. Deutschland und Österreich setzen ebenfalls auf ihre erprobten Modelle der Kurzarbeit zur Vermeidung von Kündigungen. Andere Länder wie das Vereinigte Königreich, Irland oder Dänemark kannten bisher kein solches Modell, haben aber für die Corona-Krise innert kürzester Zeit etwas in dieser Art aus dem Boden gestampft. Auch die EU hat beschlossen, 100 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten zu beschaffen, um damit nationale Kurzarbeitsmassnahmen zu unterstützen. Dänemark geht noch weiter und übernimmt auch andere Fixkosten wie Mieten und laufende vertragliche Verpflichtungen. Auch Italien kompensiert Firmen mit Umsatzeinbrüchen.5 Beobachter bezeichnen dieses Vorgehen als ein vorübergehendes «Einfrieren» der Wirtschaft, sodass sie nach der Pandemie wieder unbeschadet auftauen kann.6

Abbildung 3: Veränderung des Budgetdefizits in Prozent des weltweiten BIP
Quelle: UBS, Economist.

In der liberaleren Arbeitsmarktpolitik der USA hat der Erhalt von bestehenden Arbeitsverhältnissen traditionell eine weniger hohe Priorität. Stattdessen setzt man auf die Fähigkeit des flexiblen Arbeitsmarkts, sich nach einer Krise rasch zu erholen. Ein Modell der Kurzarbeit existiert – mindestens auf nationaler Ebene – bisher nicht. In dieser Krise setzt aber auch die US-Regierung Anreize zum Erhalt von Arbeitsplätzen, indem sie den Firmen die Notkredite im Rahmen des sogenannten «Paycheck Protection Program» unter Umständen erlässt, wenn auf Entlassungen verzichtet wird.

Schliesslich setzen viele Staaten wie Deutschland, Frankreich, Italien oder das Vereinigte Königreich auf Kreditgarantien, die im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt zweistellige Prozentbereiche erreichen.7 Damit kann Liquiditätsengpässen zur Verhinderung von Konkursen rasch begegnet werden, ohne dass der Staat sofort am Kapitalmarkt Geld beschaffen und sich somit zusätzlich verschulden muss (im Falle von Kreditausfällen wohl aber zu einem späteren Zeitpunkt). Länder wie Frankreich oder Deutschland ergänzen die Bürgschaften mit A-fonds-perdu-Beiträgen für kleine Firmen.

Insgesamt sind die weltweit von Regierungen geschnürten Rettungsprogramme von enormem Ausmass, sie machen – selbst bei konservativen Schätzungen – über 2% des globalen Bruttoinlandprodukts aus. Damit stellen sie auch die Konjunkturpakete der Finanzkrise 2008/2009 in den Schatten (vgl. Abbildung 3).

Quellen

1 Analyse mit Daten aus Hubei, China: Riou, Julien et al. Adjusted Age-Specific Case Fatality Ratio During the Covid-19 Epidemic in Hubei, China, January And February 2020 (3.3.20)
Analyse mit Daten aus China und 37 anderen Ländern: Verity, Robert et al. Estimates of the severity of coronavirus disease 2019: a model-based Analysis (30.3.20)
Analyse mit Daten aus Italien: Modi, Chirag et al. Total COVID-19 Mortality in Italy: Excess Mortality and Age Dependence through Time-Series Analysis (20.4.20)

2 Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Coronavirus lässt Wirtschaft schrumpfen (19.3.20)
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Szenarien für die Schweizer Konjunktur (8.4.20)
Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Stärkster Rückgang des BIP seit Jahrzehnten erwartet (23.04.20). Bei sämtlichen Zahlen handelt es sich um sporteventbereinigte Prognosen.

3 Batz.ch, Universität Lausanne. Wieso und wie der Staat die wirtschaftlichen Kosten des Lockdown übernehmen sollte: Lohnfortzahlungen und Corona-Darlehen (27.3.20)
Universität Zürich. Testen und Einfrieren: Eine Überlebensstrategie für die Schweizer Volkswirtschaft (26.3.20)
Gersbach, Hans und Jan-Egbert Sturm. «Kurzarbeits-Regime für Kapital» als dritter Pfeiler (31.3.20)

4 Siegenthaler, Michael und Tobias Stucki. Dividing the Pie: Firm-Level Determinants of the Labor Share (27.7.15)
NZZ. Corona-Hilfe des Bundes: Selbständige fallen durch das Raster (1.4.20)

5 The New York Times. Jobs Aren’t Being Destroyed This Fast Elsewhere. Why Is That? (30.3.20)

6 The Atlantic. Denmark’s Idea Could Help the World Avoid a Great Depression (21.3.20)

7 Bruegel Datasets. The fiscal response to the economic fallout from the coronavirus

Links zum Thema

Ressourcen für den Einstieg in den Unterricht oder zur Vertiefung sind hier vermerkt.

Für den Unterrichtseinstieg

Mehr zum Thema

Was bisher geschah: Timelines und Chronologien

Hier sind verschiedene Unterrichtsszenarien skizziert.

Didaktische Hinweise

Dieser Video-Themenblock ist für den Einsatz im Unterricht konzipiert und lässt sich leicht in eine bestehende Unterrichtssequenz einbauen. Er ist dank zwei unterschiedlich komplexen Arbeitsaufträgen für alle Schultypen geeignet.

Der Arbeitsauftrag ABU/DH/KV orientiert sich primär an der pandemiebedingten Realität der Lernenden und ordnet die aktuelle Lage im Wirtschaftskreislauf ein. Der Arbeitsauftrag BM/GYM behandelt die vielfältigen Auswirkungen der gesundheits- und wirtschaftspolitischen Massnahmen.

Unterrichtsvorbereitung
Wie sollen die Lernenden gleichzeitig ein Video schauen und die dazugehörigen Arbeitsaufträge bearbeiten? Das nachfolgende Schema hilft, Klarheit zu schaffen.

Unterrichtsszenarien
Daraus ergibt sich das jeweils passende Unterrichtsszenario. Hier sind vier gängige Szenarien dargestellt (zur Vereinfachung ohne die Unterscheidung, was im und was ausserhalb des Unterrichts geschieht):

Lernziele für diese Sequenz

Für ABU/DH/KV

Die Lernenden sind in der Lage, …

  1. … die Bedrohungslage aufgrund der Pandemie einzuschätzen und die gesundheitspolitischen Massnahmen nachzuvollziehen.
  2. … die Auswirkung der Massnahmen auf die Wirtschaft zu beschreiben.
  3. … die wirtschaftspolitischen Massnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise zu benennen.

Für BM/GYM

Die Lernenden sind in der Lage, …

  1. … Zusammenhänge zwischen gesundheitspolitischen Massnahmen und deren wirtschaftlichen Auswirkungen herzustellen.
  2. … die fiskal- und geldpolitische Reaktion auf die Corona-Krise zu erklären.
  3. … die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise einzuordnen.

Stichwörter

Angebot, Coronavirus, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Hilfspaket, Kurzarbeit, Massnahmen, Nachfrage, Notkredit, Pandemie, Rezession, Schock, Wirtschaftskreislauf

Dokumente

  • Arbeitsauftrag ABU/DH/KV
  • Lösungshinweise ABU/DH/KV
  • Arbeitsauftrag BM/GYM
  • Lösungshinweise BM/GYM

Letzte Änderung:

((Nach einer Aktualisierung werden Änderungen hier vermerkt))

Aktualisiert

29.04.2020

Dieser Themenblock entstand unter Beteiligung von:

Konzeption

iconomix

Fachberatung

David Staubli, Dr. rer. oec., Ökonom,
Abteilung Volkswirtschaft und Steuerstatistik,
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV), Bern

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Dr. Daniel Schmuki
Eidgenössisches Hochschulinstitut für Berufsbildung

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